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Die Ausrüstung eines Ritters 2

Die Ausrüstung eines Ritters 2

 

Die Ausrüstung eines Ritters 2:

Aus dem aus Einzelteilen bereits schon im Altertum bekannte Körperschutz wie Brustpanzer, Helm, Beinschienen, - entwickelte sich ab dem 12. Jahrhundert die komplette Rüstung.

Eine richtige Panzerrüstung hatte starke Platten mit einer glatten, leicht gewölbten Oberfläche, an der die gegnerischen Waffen abrutschten.

Wer reich genug war, bestellte seine Rüstung bei einer berühmten Waffenschmiede in Deutschland oder Italien und schickten ihr seine Körpermaße oder auch einzeln Kleidungsstücke, damit die Rüstung genau angepasst werden konnten.

Weniger wohlhabende Ritter kauften vermutlich bei einem heimischen Plattner, der auf Vorrat arbeitete, "von der Stange". Ein Plattenpanzer konnte modelliert und damit der Mode angepasst werden.

In den Zentren der Plattnerei gab es unterschiedliche Stilrichtungen. Eine Rüstung wog zwischen 20 - 25 Kilo, weniger als das Marschgepäck eines heutigen Infanteristen. Außerdem war ihr Gewicht gut über den ganzen Körper verteilt. Somit war ein Ritter sehr wohl in der Lage zu laufen und sich hinzulegen.

Unter seiner Rüstung trug ein Ritter weiches Unterzeug. Er konnte zwei Bänder unter dem Plattenrock lösen, wenn er zur Toilette wollte. Dennoch wurde es unter der Rüstung sehr leicht heiß, weil die Körperwärme nicht entweichen konnte.

Nicht selten sind Ritter, die bei einem Zusammenstoß eingekeilt wurden, in ihren Rüstungen erstickt.

Das Beinzeug:

Bei einem Ritter, der zu Pferd saß, waren die Knie ein leichtes Ziel für Fußsoldaten.

Vor dem 12.Jh. trugen die Ritter noch kaum Beinzeug; erst dann begann man, sich Kettenstreifen vor die Beine zu binden. Man trug auch Strümpfe aus Kettengeflecht, bei denen eine Ledersohle das Laufen erleichterte. Ein Hieb auf die Kniescheibe konnte einem Ritter auf Dauer lähmen.

Als deshalb im 13.Jh. Beinzeug aus Platten aufkam, war das Knie oft das erste, was geschützt wurde - durch eine tassenförmige Kappe, die Kniekachel.

Im 14.Jh.waren Bein und Fuß dann völlig stahlgeschützt. Die Platten für Schienbein und Wade (Beinröhre), die auch einen Knöchelschutz bilden sollten, waren sehr schwer herzustellen. Man benutzte für sie außer Stahl auch gehärtetes Leder, Fischbein und Horn.

Im späten 14.Jh. kamen ein Oberschenkelschutz dazu, der Diechling, der oft mit Nieten besetzt war, die kleine Metallplatten festhielten - eine ähnliche Machart wie bei dem Waffenrock, den man "Brigandine" nannte.

Um die Mitte des 15.Jh. war das Bein völlig geschützt. Die Platten des Knieschutzes wurden übereinander gelegt, dass alle Lücken geschlossen wurden, die bei voller Beugung des Knies entstehen konnte. Der Dichling schützte den Schenkel des Ritters vorn und seitlich, weil eine Verletzung hinten wenig wahrscheinlich war. Die Beinröhre wurde von innen zusammengeschnallt, damit nicht ein Schwerthieb die Riemen zerschnitt.

An erhaltenen Beinröhren sieht man, dass die meisten Ritter sehr schlanke Waden hatten; vielleicht, weil sie mehr ritten als liefen.

Knochenfunde aus Gräbern von einer Schlacht in Gotland in Schweden (1361) zeigen, dass Beinverletzungen häufiger als andere vorkamen.

Der Harnisch:

Soweit die Rüstung den Oberkörper bedeckt, heißt sie Harnisch oder Küraß. Dieser Name kommt von dem französischen Wort "cuir" (Leder). Bis ins 14.Jh. trugen die Ritter meist einen Kettenpanzer, den "Hauberk", über einem wattierten Unterkleid, das Schläge dämpft, oder auch einen Schuppenpanzer.

Seit dem frühen 13.Jh. verstärkten manche Ritter den Schutz von Brust und Rücken durch gehärtetes Leder. Der Lederwams wurde an den Seiten geschnürt oder geschnallt und über dem Panzer, aber noch unter dem Waffenrock getragen.

Manche Ritter setzten auch Platten in ihr Übergewand ein, und um 1300 bürgerte sich der Plattenrock mit seinem durchgehenden Plattenbesatz ein.

Eine feste Brustplatte kam auf. Um 1400 wurden die durch Nieten und Verschnürungen zusammengefügten Platten meist ohne Waffenrock getragen. Der blanke Stahl ließ die Rüstung fast weiß erscheinen.

Um 1450 bestand der Harnisch aus vielen, durch Lederstreifen und Nieten zusammengefügten Platten. An der rechten Seite der Brustplatten war ein Haken befestigt, um die Lanze zu stützen, wenn sie unter dem Arm festgeklemmt wurden. Vor allem aber hielt er einen Ring, der hinter der Hand des Ritters in die Lanze genagelt war und verhindern sollte, dass diese beim Aufprall in die Achselhöhle zurückgestoßen wurde.

Der Harnisch hatte links Scharniere; man konnte ihn in einem Stück anlegen. Rechts und über den Schultern wurde er geschnallt.

Gotischer Harnisch; Stahl ließ sich modisch formen. Deutsche Plattner des späten 15.Jh. schätzten den "gotischen" Stil, bei dem der Stahl gefaltet oder geriefelt wurde. Das Riefeln verstärkte auch das Material.

Brustplatten waren meist aus dickerem Stahl als die Rückenplatten, weil ein Ritter schließlich nicht dem Feind den Rücken zuwandte.

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