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Die Ausrüstung eines Ritters 4

Die Ausrüstung eines Ritters 4

 

Die Ausrüstung eines Ritters 4:

Die Helme:

Der Helm war einer der ersten Teile der Rüstung, die aus festem Stahl gefertigt wurden. Die ersten Helme bestanden aus Leder, aus der darauffolgenden Zeit aus Bronze und später aus Eisen.

Eine in Europa weit verbreitete Frühform war der konische Helm. Er hatte ein Nasenband zum Schutz gegen feindliche Schwerthiebe.

Am Ende des 12.Jh. besaßen einige Helme schon Gesichtsschutz, und bald war der ganze Kopf in einen großen Helm gehüllt, der mit Sehschlitzen und Löchern zum Atemholen versehen war.

Eine gefütterte Kappe (Haube) unter dem Helm half, die Erschütterung schwerer Schläge zu mildern. Fußkämpfer trugen oft nur einen offenen Eisenhut, und auch mancher Ritter hielten an ihm fest, weil er mehr Luft an das Gesicht ließ.

Der Helm war heiß und stickig und dämpft das Gehör. Im 14.Jh. fanden viele Ritter den großen Helm lästig und gingen zu den leichteren Sturmhauben über, die häufige Visiere und einen eisernen Nackenschutz hatten.

Visierhelm (Armet) wie er sich aus der Beckenhaube (Bacinet) entwickelt hat, hatten ein gepolstertes Helmfutter, das auf einen Stoff- oder Lederstreifen geheftet war. Man konnte das Futter so zurechtschieben, dass die Augen des Ritters stets in einer Linie mit den Sehschlitzen waren.

Die Halterung oben war für eine Helmzier aus Holz oder Leder bestimmt. Vorn wurde der Helm durch ein Kinnreff geschützt; hinten war eine Rundfeder, die vielleicht das Verrutschen der Kinnreffschnalle verhindern oder diese schützen sollte.

Besonderst auffallend war die Gestaltung des Helms, dessen Formvielfalt praktisch keine Grenzen gesetzt waren. Das 16. Jahrhundert war die Zeit der Prachtharnische mit reichen Verzierungen, die sich natürlich nur die begüterte Aristokratie leisten konnte.

Mit dem Ausgang der Ritterzeit bzw. dem Aufkommen der handlichen Feuerwaffen, war auch das Ende der bis zur großen Vollkommenheit entwickelten Rüstungsherstellung gekommen.

Der gewaffnete Ritter:

Ein Ritter wurde von einem oder mehreren Knappen oder Pagen gewaffnet. Dabei begann man mit den Füßen. Erst legte der Ritter ein Leinenhemd und Unterhose (Bruche) an, die aber eher wie lose Boxershorts aussahen. Darüber kam eine Art wollene Strumpfhose- lange Strümpfe (Beinlinge), die oben zusammengebunden wurden. Die Knie wurden zusätzlich umwickelt damit die Stahlplatten nicht scheuerten.

Wenn der Ritter keine Rüstung trug, befestigte der Ritter seine Strümpfe an einem Wams aus Stoff, und zwar mit stabilen Schnürlaschen, die gegen das Ausfransen mit Metallkappen versehen waren. Aber unter der Rüstung trug er ein Steppwams und "nestelte" die Beinlinge an diesem fest. Die Beinlinge hatten vorn eine Klappe, die für den Gang zur Toilette losgebunden werden konnte.

Von einem voll gewaffneten Ritter sagt man mit einem alten französischen Wort, er sei "cap-a'-pie", von Kopf bis Fuß, gerüstet.

Seit Mitte des 15.Jh. gab es zwar sehr viele Einzelteile der Rüstung, aber viele davon waren miteinander verbunden, so dass ein Ritter von zwei Knappen in zehn bis fünfzehn Minuten vollständig gewaffnet werden konnte. Zuletzt wurde der Helm angelegt und die untere Partie des Gesichtsschutzes festgeschnallt. Wenn es nicht direkt in den Kampf gingen, hielt der Ritter den Helm im Arm und hängte seine Panzerhandschuhe an den Schwertknauf.

Die Pferde:

Meist erkannte man den Ritter schon an seinem Pferd - es war sein eigentliches Merkmal. "Ritter" bedeutet auf deutsch einfach "der Reiter".

Das Streitross eines Ritters war ein Hengst, ein angriffslustiges Tier, das eigens dafür gezüchtet wurde. Wahrscheinlich brachte man ihm auch bei, Gegner zu beißen und zu treten. Es hatte einen kräftigen Körper mit weiten Lungen und gestauter Kraft, dazu gute Muskeln, mit denen es einem gepanzerten Mann tragen konnte und gegebenenfalls auch die eigene Rüstung die bis zu 30 Kilo wiegen konnte.

Hochgezogene Sattelbögen und lange Steigbügel sorgten dafür, dass der Reiter mit dem Pferd fast verschmolzen war.

Er saß völlig sicher, oder besser: er stand fast aufrecht in den Bügeln. Sein Pferd war sehr beweglich und viel kleiner als heutige Zugpferde.

In den späteren Jahrhunderten besaß ein Ritter mehr als nur ein Streitross, für den Fall, dass eines getötet oder verletzt wurde oder nicht in guter Verfassung war. Man nannte diese Streitrosse auch Dextrier - nach dem lateinischen Wort für " rechts", wahrscheinlich, weil sie zur rechten Hand geführt wurden, auch "großes Pferd" oder "Renner" genannt.

Wenn es nicht zum Kampf ging, nahm der Ritter ein edles, leichtgehendes Pferd "Zelter" genannt. Ein Ritter musste schon recht wohlhabend sein, wenn er mehrere solcher Pferde kaufen und halten wollte, denn sie waren sehr teuer - ungefähr so teuer wie heute ein Auto.

Frauen ritten kleinere, sanftere Damenpferde und zwar im Damensitz, wenn sie nicht eine Sänfte benutzten, die zwischen zwei Pferden gehängt wurden. Wenn eine Dame die Frau eines Ritters war, musste er ihre Pferde mit unterhalten.

Gefolgsleute:

Ein Ritter hatte nicht nur seine Knappen und Pagen um sich, sondern häufiger auch ganze Gruppen von Gefolgsleuten.

In England bildeten ein Ritter und seine Gefolgschaft eine sogenannte "Lanze". Mehrere "Lanzen" wurden zu einer Einheit zusammengeführt, die unter dem Befehl eines Ritter stand und sein Banner führte, eine quadratische oder rechteckige Standarte mit seinem Wappenzeichen.

Mehrere solcher Bannereinheiten wiederum bildeten eine militärische Formation, eine Art Division, im Heer.

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