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Das Rittertum 3 - Lehensordnung und Feudalwesen 2

Das Rittertum 3 - Lehensordnung und Feudalwesen 2

 

Lehensordnung und Feudalwesen 2:

Bei mehreren Anwärtern wurden sie nach dem Adelsrang aufgerufen und zum Ritter geschlagen, gürtete den Anwärter das Ritterschwert und die Rittersporen an, ließ ihn niederknien und gab ihm mit der Klinge drei Schläge auf die Schulter im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes. Geschenke erhielt der Ritterkandidat, aber auch die Gäste, Sänger und Spielleute. Nach den Feierlichkeiten wurde ein Scheinkampf des jungen Ritters gegen einen vollendeten Ritter vollzogen. Die Feier konnte unter Umständen mehrere Tage andauern.

Der Alltag eines Ritters lag in der Waffenübung zur Vorbereitung für die Schlacht, daneben aber auch für das Kampfspiel, das Turnier, die glanzvolle Selbstdarstellung des Rittertums. Bei den Franzosen galt Gaufridus de Pruliaco um die Mitte des 11. Jahrhunderts als Vater und Erfinder des Turniers. Für Deutschland wurde Kaiser Heinrich I benannt, so ist es in " Rüxners Turnierbuch" berichtet.. Kampfspiele waren seit alters her beliebt.

Bei diesen Reiterspielen konnten Ross und Reiter sich tummeln und ihre Geschicklichkeit unter Beweis stellen. Waffen wurden dabei getragen aber nicht eingesetzt. Bei der Tjost handelt es sich um den Zweikampf zu Pferd, ausgeführt in der vollen, schweren Rüstung. Die gegeneinander galoppierenden Reiter bemühten sich, mit den angelegten Lanzen, deren Spitzen abgestumpft oder mit den sogenannten Turnierkrönlein versehen waren, entweder das Schild des Gegners oder ihn selbst an der Helmschnur, am Hals, zu treffen um ihn aus dem Sattel zu werfen. Das Turnier, das meist auf einem, flachem Feld vor einer Burg oder einer Stadt stattfand, war eine simulierte Reiterschlacht, ausgeführt mit stumpfen Waffen. Turniere, mit der Lanze, mit dem Schwert oder dem Kolben ausgetragen, fanden im Rahmen eines großen Festes statt, zu dem sich eine große Zahl von Streitern und Zuschauern versammelte, ein höfisches Fest, das Gelegenheit zur Bewährung bot. Die Teilnehmer konnte sich zeigen, gesehen werden und selbst sehen. Dies betraf nicht nur die Streiter, sondern auch die Damen, um deren Dank und Anerkennung sich die Ritter bewarben. Für die adlige Welt besaß alles, was Turnier und ritterlicher Wettstreit hieß, ein hohes Maß an Wichtigkeit. Zur Steigerung der Spannung setzte der mittelalterliche Kampfsport aristokratische Ehre, den erotisch-romantischen Reiz und den Reiz des künstlerischen Prunkes ein.

So kam der Kleidung und Ausstattung der Streiter größte Bedeutung zu, da der Reiter bei geschlossenem Visier nicht zu erkennen war, mussten äußere Kennzeichen ihn identifizieren. Dazu gehörte vor allem das dem Schild aufgemalten Wappen und das aus dem Wappenbild und den Wappenfarben gestaltetes Kleinod, die Helmzier, Zimier genannt. Ganz allgemein hatten Schildbemalung und Helmschmuck eine lange Tradition, neu war die Verwendung des Wappens als persönliches Attribut und Kennzeichnung eines Standes. Die Wurzel der seit der Mitte des 12. Jahrhunderts aufblühende Heraldig lag beim wachsenden Selbstbewusstseins des Adels, in der Absicht der Ritter, durch ein Abzeichen, eine persönliche Marke sich selbst und der Familie sinnfällig zu repräsentieren.

Seit der Mitte des 13. Jahrhundert wandelt sich die zunächst rein militärisch verwendete Kriegsheraldik zur Zierheraldik mit besonderer Verwendung bei Turnieren. Ein volles Wappen bestand aus Schild (Tartsche) Helm, Helmzier (Zimier) und der Helmdecke. Das Wappenbild auf dem Schild konnte entweder eine gemeine Figur, etwa ein Tier, eine Pflanze, oder ein Turm oder ein Heroldsbild sein, das ist eine Musterung oder Feldeinteilung. Deren Grundelemente der gespaltene, der geteilte, schräg oder mehrfach geteilte Schild oder Pfahlsein könnten. Die Blasonierung, die kunstgerechte Beschreibung des Wappens, wurde vervollständigt durch die Angabe der Farben sowie durch Kennzeichnung von Waffenrock und Rossdecke.

Der letzte Ritter:

Das Rittertum in seinem militärischen Verständnis geriet bereits im Verlauf des 14. Jahrhunderts in eine tiefe Krise.

Die Kriegsführung veränderte sich. Der berühmte Kaiser Maximilian (1459-1519) wird bis auf den heutigen Tag als " Letzter Ritter " verklärt.

Ausgerechnet er, dessen höfische Turniere und Hofhaltung als Inbegriff der Ritterlichkeit gesehen werden, war es selbst gewesen, der mit Einsatz von Landsknechtsheeren der traditionellen Rollen der Ritter auf den Kriegsschauplätzen ein definitives Ende bereitet hatte.

Ihm ist es jedoch gleichsam zu verdanken, dass das Bild der höfisch-ritterlichen Gesellschaft erhalten blieb und für die Höfe der Renaissance prägend werden konnte.

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