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Waffen und Rüstzeug 2

Waffen und Rüstzeug 2

 

Die zweite wichtige Waffe war die Lanze, eine geschmiedete Spitze am hölzernen Schaft, gelegentlich mit einem Fähnchen geziert, eine der ältesten Waffen in Menschenhand, die auch wohl als erste Symbolbedeutung gewann. Mit der Lanze in der Hand erscheinen die früheren Könige auf ihren Siegelbildern, mit der Lanze übertrugen sie Macht an ihre Vasallen. Sie war ein Produkt des 7. oder 8. Jahrhunderts und wurden um 10. Jahrhundert unter König Heinrich I. aus dem burgundischen Kronschatz übernommen. Vom 11. und 13. Jahrhundert verwendete man die mannshohe Lanze als Waffe zu Wurf und Stoß, später mit verlängertem Schaft, zunächst auf 3, dann auf gar auf 5 Meter, nunmehr zum Stoß.

Seit etwa 1200 gehört auch der Dolch zur ständigen Bewaffnung der Ritter, zunächst in der Form des ein- oder zweischneidigen Dolchmessers, später als Waffe im Fußkampf in verschiedenen Formen. Wie man auf den Wandteppichen von Baveux sieht war auch bereits im 11. Jahrhundert die Keule als Waffe gebräuchlich, allerdings wurde sie dazu nur vom Herzog und vom Bischof geführt, denen es nicht gestattet war, mit Schwert Blut zu vergießen.

Mit Pfeil und Bogen zu kämpfen, war zunächst eines Ritters unwürdig, diese Waffe blieb in den Händen des Fußvolkes. Als jedoch die Ritter im 15. Jahrhundert vom Pferd stiegen, um zu Fuß zu kämpfen, nahmen sie auch die Armbrust als mechanisierten Bogen in Gebrauch.

Die Schutzwaffe der Ritter war der Panzer, der den Leib umschloss, der Helm zum Schutz des Kopfes und das Schild als Werkzeug der Abwehr. Stärker als die Trutzwaffe war diese Waffengattung Änderungen unterworfen, die in der Erfahrung, der fortschreitenden Technik und im Wechsel der Mode begründet waren. Die Grundlage bildete das Kettenhemd mit Kapuze und Hose, das über einem leinen oder wollenen Unterkleid getragen wurde, eine Schutzhaut aus Ringgeflecht, vermutlich bereits in der Antike bekannt. Darüber lag der lederne, mit Platten, Spangen oder Ringen besetzte Brustpanzer, der Harnisch.

Das Obergewand, der Waffenrock, war oft in den Wappenfarben gehalten, mit Ornamenten und Wappenstickereien reich dekoriert. Nach verstärkte 1200 man den Kettenpanzer an Ellenbogen und Knien sowie durch Arm- und Beinschienen aus Leder. Auch der Harnisch wurde durch auf die Lederunterlagen aufgenietete Ringe zweckmäßiger und geschlossener gehalten.

Von etwa 1350 an trug der Ritter ein Kettenhemd aus feinerem Geflecht. Statt mit Harnisch und Waffenrock bekleidete er den Oberkörper mit einem durch innen eingefügte Eisenplättchen versteiftem Lederwams, dem Lentner, der auch den Unterleib bis zu dem Oberschenkel schützen. Zusätzliche Eisenteile wie Brust- und Rückenplatten aus gewölbtem Blech, mit Schnallen verbunden, ein Halsschutz (Halsberge) aus Kettengeflecht oder Leder, Schienen und Kacheln für die Glieder und Gelenke, auch lederne Handschuhe mit Eisenteilen und Stulpen vervollständigen in dieser Epoche den Körperschutz bis dann am Ende des 14. Jahrhunderts im Plattenharnisch, der soliden Verbindungen aller Einzelteile, die endgültige, der Bewaffnung und Kriegsführung dieser Zeit am besten entsprechende Form entwickelt war.

Für die jeweilige Epoche charakteristische und darum als Datierungskriterium einer Ritterdarstellung besonders geeignet ist der Helm ein Stück der Schutzkleidung, das seit grauer Vorzeit bis zur Gegenwart unentbehrliches Requisit des Kriegers war. Im 11. Jahrhundert löste der spitze. konische Helm, wie wir ihn von den Darstellungen auf dem Wandteppich von Bayeux kennen, den Spangenhelm der Völkerwanderungszeit ab.

Daneben gab es auch eine zylindrisch gekuppelte Form; beide waren mit einem verstellbaren Naseneisen zum Schutz des Gesichtes ausgestattet. Seltener war in dieser Zeit der Eisenhut, eine runde Blechkappe mit schmaler Krempe.

Seit 1200 kam der Topf- oder Kübelhelm in Gebrauch, eine zylindrische oder leicht konische, oben platt oder gewölbt geschlossene Blechhülle mit einem Sehschlitz oder beweglichem Visier, die auf den Schultern aufsaß. Der Topfhelm war meistens aus mehreren Platten vernietet und mit einem Kreuzloch zur Befestigung am Panzer versehen. Als Turnierhelm getragen, wurde dieser noch durch das Zimier bereichert und verziert, dem aus Holz geschnitzten oder aus Leder geformten, bemaltem Wappensymbol des Ritters. Unter dem Helm wurde als unmittelbarer Kopfschutz eine Haube aus Eisenblech oder Leder getragen, später auch die Beckhaube, die das Gesicht auch seitlich schützte.

Zum Plattenharnisch zu Ende des 14. Jahrhunderts gehörte die Hundsgugel, ein Helm mit aufschlächtigem, in Form einer Hundeschnauze vorgetriebenem Visier zum Anhängen an die Helmglocke.

Zur Abwehr von Schlägen und Hieben diente das Schild, in der Frühzeit fast mannshoch, später meist in Dreiecksform, oben gerundet, unten spitz aus mehreren Holzlagen mit Lederüberzug und Eisenbeschlag.

Als die Panzerung verbessert wurde, erübrigte sich das Schild in der hergebrachten Form. Im 15. Jahrhundert kam die Pavese, das Setzschild, in Gebrauch, eine schwere, oben gerade geschlossene, unten korbbogige, mit einem eisernen Sporn zum Einstoßen in den Boden versehene, beschlagene, gewölbte Holzplatte, mit der, in der Mehrzahl verwendet, eine tragbare Schutzwand erstellt werden konnte.

Nicht gerade eben zu den Trutzwaffen, immerhin aber zur charakteristischen Ausrüstung des Ritters gehörten die Sporen, die ihm bei der Schwertleiste angelegt wurden. Sie waren entweder als Radsporen oder Stachelsporen mit geradem Hals und abgewinkeltem Bügel ausgebildet.

Endlich sollte wie der Mann so auch das Ross geschützt und zum Einsatz im Kampf ausgerüstet sein. Der Ritter saß darauf im 12. Jahrhundert auf einem flachen Sattel.

Um den Sitz zu verbessern und dem Reiter in den Hüften mehr Halt zu geben, fügte man hinten einen Sattelbogen und vorn einen Knauf hinzu. Zum Halt der bespornten Füße dienten die an Riemen hängende Steigbügel.

Zur Zierde und zum Schutz des Tierkörpers umhüllte diese eine in den Wappenfarben gehaltene Decke die auch zuweilen mit Ringen und Plättchen belegt war; den Kopf des Pferdes schützte im 15. Jahrhundert eine kunstvoll gearbeitete Rossstirne.

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